{"id":839,"date":"2021-04-04T22:28:09","date_gmt":"2021-04-04T21:28:09","guid":{"rendered":"http:\/\/covid.joachimdengler.de\/?page_id=839"},"modified":"2021-05-15T22:27:54","modified_gmt":"2021-05-15T21:27:54","slug":"die-wirklichen-covid-inzidenzen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/covid.joachimdengler.de\/?page_id=839","title":{"rendered":"Die wahren Covid-19 Inzidenzen"},"content":{"rendered":"\n<p>Ob wir wollen oder nicht, seit geraumer Zeit werden wir t\u00e4glich aufs neue mit den aktuellen 7-Tage Inzidenzwerten konfrontiert. Langsam aber stetig und am Anfang nahezu unbemerkt ist diese Kennzahl in unser Leben eingedrungen. Und mittlerweile beeinflusst sie uns alle nachhaltig. Waren R-Wert und Verdopplungszahl noch abstrakte Gr\u00f6\u00dfen, unter denen sich Normalsterbliche eigentlich nicht wirklich etwas vorstellen konnten, so wurde mit der 7-Tage Inzidenz ein bestechend einfaches Konstrukt etabliert. Von mathematischer Schlichtheit, f\u00fcr jeden greifbar und damit klassisch-elegant.<\/p>\n\n\n\n<p>Die 7-Tage Inzidenz: <strong>Die Summe der innerhalb der letzten 7 Tage neu an Covid-19 Erkrankten in einer Stadt oder einem Landkreis normiert auf 100.000 Einwohner<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Heureka! Waren Verdopplungszahl und R-Wert irgendwie nicht greifbar, man musste sie einfach nur glauben, so hat man mit der 7-Tage Inzidenz endlich eine unbestechliche Gr\u00f6\u00dfe gefunden, mit der das Infektionsgeschehen in den verschiedenen Orten verglichen werden kann. Einfach genial!<\/p>\n\n\n\n<p>Unbestechlich? Wirklich unbestechlich?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie hei\u00dft es doch so treffend: Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gef\u00e4lscht hat. Daher erscheint es opportun zu pr\u00fcfen, ob die Inzidenz wirklich so unbestechlich und unschuldig ist, wie es den Anschein hat. Oder leben wir mittlerweile wirklich in einer post-faktischen Welt. Eine Welt , in der sogar angesehene Beh\u00f6rden nach belieben Fake News verbreiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Achtung Spoiler-Alarm!<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz so unschuldig unbestechlich ist die 7-Tage Inzidenz in tats\u00e4chlich nicht. Und damit meine ich nicht einmal, den mittlerweile weitestgehend bekannten Fakt, dass die H\u00f6he der 7-Tage Inzidenz in direktem, kausalen Zusammenhang mit der Anzahl der durchgef\u00fchrten Tests steht. Nein, die weniger offensichtlichen Haken an der Sache sind versteckter. Um die zu erkennen, muss man sich bis an die Quelle vorarbeiten. Man muss sehr tief in die Untiefen der RKI-Originaldaten vorsto\u00dfen. Eine dr\u00f6ge Arbeit, die sich aber lohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Glaubt man den offiziellen Ver\u00f6ffentlichungen und der Tagespresse, dann gr\u00fcndet die 7-Tage Inzidenz auf neuen Infektionen. Und eigentlich muss sie das auch. Denn das Infektionsschutzgesetz setzt als Schwellenwerte f\u00fcr die zu ergreifenden Schutzma\u00dfnahmen 35, 50 und 100 Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 je 100&nbsp;000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen. Und da im Wort &#8222;Neuinfektionen&#8220; die W\u00f6rter &#8222;Neu&#8220; und &#8222;Infektion&#8220; stecken, m\u00fcssen also alle diejenigen Menschen gez\u00e4hlt werden, die eine neue Infektion haben. Das hei\u00dft aber auch, dass eben auch nur genau diese gez\u00e4hlt werden d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und hier f\u00e4ngt das ganze Dilemma an. Denn <strong>wie z\u00e4hlt man &#8222;neu&#8220; und wer ist eigentlich &#8222;infiziert&#8220;? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage nach dem &#8222;neu&#8220; ist nicht trivial. Liegt doch der genaue Zeitpunkt der Infektion regelm\u00e4\u00dfig im Dunkeln. Viren sind klein und man sieht sie selten. Daher wei\u00df nicht in aller Regel nicht genau, wann der genaue Infektionszeitpunkt war. Daher bleibt nichts anderes \u00fcbrig, andere bekannte Daten heranzuziehen, um so das Attribut &#8222;Neu&#8220; m\u00f6glichst einzugrenzen und nahe zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann die zweite Frage. Und wer ist denn eigentlich &#8222;infiziert&#8220;? Auch diese Frage ist alles andere als trivial. Das Infektionsschutzgesetz definiert eine Infektion ganz klar als die Aufnahme eines Krankheitserregers <strong>und<\/strong> seine nachfolgende Entwicklung oder Vermehrung im menschlichen Organismus. Das reine Auffinden eines Krankheitserregers (z.B. mittels PCR-Tests) reicht da eigentlich nicht aus. Nein, der Krankheitserreger muss sich ja auch im K\u00f6rper entwickeln oder vermehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie l\u00f6st das RKI diese Dilemma?<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem RKI-Dashboard schreibt das RKI zur ersten Frage folgendes:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;F\u00fcr die&nbsp;<strong>Gesamtzahl<\/strong>&nbsp;<strong>pro Bundesland\/Landkreis<\/strong>&nbsp;werden die den Gesundheits\u00e4mtern nach Infektionsschutzgesetz gemeldeten F\u00e4lle verwendet, die dem RKI bis zum jeweiligen Tag um 0 Uhr&nbsp;<strong>\u00fcbermittelt wurden<\/strong>. F\u00fcr die Darstellung&nbsp;<strong>der&nbsp;neu \u00fcbermittelten F\u00e4lle pro Tag<\/strong>&nbsp;wird das&nbsp;<strong>Meldedatum<\/strong>&nbsp;verwendet \u2013 das Datum, an dem das lokale Gesundheitsamt Kenntnis \u00fcber den Fall erlangt und ihn elektronisch erfasst hat.&#8220;<\/em> <em>(RKI-Dashboard; Stand 10.04.2021)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das RKI setzt also n\u00e4herungsweise das Datum der Meldung mit dem Datum der Infektion gleich. Man k\u00f6nnte sich jetzt nat\u00fcrlich fragen, warum nicht zur Inzidenzberechnung stattdessen das Datum, an dem die Testung stattgefunden hat, herangezogen wird. Oder ist der Unterschied zwischen beiden Daten so gering, dass er vernachl\u00e4ssigbar ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Hierzu schreibt das RKI wieder:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;<strong>Zwischen der Meldung durch die \u00c4rzte und Labore an das Gesundheitsamt und der \u00dcbermittlung der F\u00e4lle an die zust\u00e4ndigen Landesbeh\u00f6rden und das RKI k\u00f6nnen einige Tage vergehen<\/strong> (Melde- und \u00dcbermittlungsverzug). Jeden Tag werden dem RKI neue F\u00e4lle \u00fcbermittelt, die am gleichen Tag oder bereits an fr\u00fcheren Tagen an das Gesundheitsamt gemeldet worden sind.&#8220; (RKI-Dashboard; Stand 10.04.2021)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aha, es kommt also zu einem Meldeverzug. Das ist dem RKI bewusst. Daher f\u00fchrt man auf dem Dashboard weiter aus, dass der genaue Infektionszeitpunkt der gemeldeten F\u00e4lle in aller Regel nicht ermittelt werden k\u00f6nne und daher das Meldedatum an das Gesundheitsamt den Zeitpunkt der Feststellung der Infektion (Diagnosedatum) am besten abbilde und damit das aktuelle Infektionsgeschehen widerspiegele.<\/p>\n\n\n\n<p>Soweit, so gut. Das klingt ja erst einmal plausibel. Insbesondere dann, wenn der Meldeverzug klein ist, es also geringe Verzerrung bei der Berechnung der Neuinfektionen gibt. Aber ist das auch so? Stimmt es, dass die Meldeverz\u00f6gerung nur wenig Einfluss auf die Berechnung der Inzidenzen hat?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Antwort liefert ein Blick in die t\u00e4glich ver\u00f6ffentlichten RKI-Daten. Denn neben dem Meldedatum wird dort auch das Erkrankungsdatum mit angegeben. Dazu bemerkt das RKI folgendes:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Das&nbsp;<strong>Erkrankungsdatum&nbsp;<\/strong>ist der Tag, an dem der Patient nach eigener Angabe bzw. nach Angabe des behandelnden Arztes mit klinischen Symptomen erkrankt ist. <strong>Das Erkrankungsdatum kann wegen der sehr zeitigen Labortests auch nach dem Meldedatum liegen. Liegt dem Gesundheitsamt das Erkrankungsdatum nicht vor, so wird alternativ das Meldedatum genutzt.<\/strong>&#8222;<\/em> <em>(RKI-Dashboard; Stand 10.04.2021)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das h\u00f6rt sich doch zun\u00e4chst einmal sehr plausibel an. Man erkrankt &#8211; sprich man entwickelt Symptome &#8211; erst ein paar Tage nachdem man neu infiziert wurde. Das Meldedatum, sofern die Meldung schnell erfolgt, liegt also dem Infektionszeitpunkt n\u00e4her als das Erkrankungsdatum. Damit sollte das Meldedatum den Zeitpunkt der Infektion n\u00e4herungsweise gut beschreiben k\u00f6nnen. Und entwickelt ein positiv Getesteter erst gar keine Symptome, so gibt es ja kein Erkrankungsdatum im eigentlichen Sinne und man muss ohnehin mit dem Meldedatum vorlieb nehmen. Zumindest wenn man konstatiert, dass ein symptomlos positiv Getesteter als Infizierter nach dem Infektionsschutzgesetz gilt. Und nat\u00fcrlich sofern man das Datum der Testung nicht gleich mit erfasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber machen wir einfach die Probe aufs Exempel. Damit das Meldedatum zur Identifizierung neuer F\u00e4lle geeignet ist, sollte es eigentlich fast immer vor dem Erkrankungsdatum liegen oder darf maximal mit dem Erkrankungsdatum zusammenfallen. Und im zweiten Fall muss man nat\u00fcrlich die symptomlosen F\u00e4lle herausrechnen, weil in diesem F\u00e4llen ja ohnehin das Meldedatum willk\u00fcrlich mit dem Erkrankungsdatum gleichgesetzt wird. Ansonsten w\u00fcrde die Auswertung verf\u00e4lscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Betrachten wir also die RKI-Daten: Stand 10.04.2021 sind in der RKI-Datenbank ca. 1,62 Millionen Datens\u00e4tze verzeichnet. Ein Datensatz enth\u00e4lt in der Regel einen Getesteten, in sehr seltenen F\u00e4llen k\u00f6nnen es allerdings auch mehrere Getestete sein. Ca. 1,12 Millionen der Datens\u00e4tze sind dort als symptomatisch gekennzeichnet. Da ja in den F\u00e4llen, in denen keine Erkrankung vorlag das Erkrankungsdatum ohnehin vom RKI dem Meldedatum gleichgesetzt wurde, betrachten wir lediglich die Datens\u00e4tze mit symptomatischen F\u00e4llen. Dazu pr\u00fcfen wir, in wie vielen F\u00e4llen das Meldedatum zeitgleich zum oder vor dem Erkrankungsdatum liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis ist mehr als schockierend. Nur in kl\u00e4glichen 66.592 F\u00e4llen von den 1,12 Millionen betrachteten trifft dies zu. Das sind weniger als 6% der F\u00e4lle. Das Meldedatum kann daher per se nicht geeignet sein, als zeitliche Gr\u00f6\u00dfe f\u00fcr Neuinfektionen im Sinne des Infektionsschutzgesetzes herzuhalten. Denn auch wenn das Erkrankungsdatum in Schw\u00e4chen aufweist, so ist es in 94% der F\u00e4lle das genauere Datum.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn es geht immerhin darum, Ma\u00dfnahmen, die direkt in die Grundrechte aller B\u00fcrger eingreifen, zu triggern. Ein wenig Sorgfalt sollte der B\u00fcrger da von den Beh\u00f6rden erwarten d\u00fcrfen. Aus diesem Grunde d\u00fcrfen nur diejenigen Infizierte in die Berechnung einflie\u00dfen, die innerhalb der relevanten 7-Tagefrist infiziert wurden, Meldenachz\u00fcgler geh\u00f6ren nicht in die Berechnung, denn sie stehen in keinerlei im Zusammenhang mit der aktuellen Lage. Nebenbei bemerkt, der gr\u00f6\u00dfte beobachtete zeitliche Versatz zwischen Melde- und Erkrankungsdatum liegt l\u00e4ppischen bei 411 Tagen. &#8222;Knapp&#8220; daneben ist eben auch vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie bereits bemerkt, aus diesem Grunde erscheint es als unangemessen, das Meldedatum zur Berechnung der 7-Tage Inzidenz. Mangels Kenntnis des tats\u00e4chlichen Infektionsdatums muss daher das vom RKI erfasste Erkrankungsdatum verwendet werden. Auch das ist nicht perfekt, aber um L\u00e4ngen besser als der Status quo.<\/p>\n\n\n\n<p>Kommen wir nun zum zweiten Dilemma des RKI. Wer ist denn eigentlich &#8222;Infizierter&#8220; im Sinne des Infektionsschutzgesetzes?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie bereits bemerkt, auch diese Frage ist alles andere als trivial. Das Infektionsschutzgesetz definiert eine Infektion ganz klar als die Aufnahme eines Krankheitserregers <strong>und<\/strong> seine nachfolgende Entwicklung oder Vermehrung im menschlichen Organismus. Wie sieht das das RKI und wie ist das Vorgehen? Auf dem RKI-Dashboard findet sich dazu der folgende Hinweis:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>In Einklang mit den internationalen Standards der WHO und des ECDC wertet das RKI alle labordiagnostischen Nachweise von SARS-CoV-2 unabh\u00e4ngig vom Vorhandensein oder der Auspr\u00e4gung der klinischen Symptomatik als COVID-19-F\u00e4lle. Unter COVID-19-F\u00e4llen werden somit sowohl akute SARS-CoV-2-Infektionen als auch COVID-19-Erkrankungen zusammengefasst.<\/em>&#8222;<em>(RKI-Dashboard; Stand 10.04.2021)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Etwas erstaunlich liest sich der Verweis auf die internationalen Standards der WHO. Denn das RKI steht mit seinem Vorgehen im direkten Widerspruch zur WHO. Diese hat bereits im Januar 2021 die Problematik von vermehrt falsch positiven Ergebnissen bei der alleinigen Verwendung von PCR-Tests erkannt und offiziell festgestellt, dass ein einzelner positiver PCR &#8211; Test ohne klinische Symptomatik nicht zum Beweis einer Infektion ausreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier der Originaltext der WHO Ver\u00f6ffentlichung :<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;WHO guidance &#8222;Diagnostic testing for SARS-CoV-2&#8220; states that careful interpretation of weak positive results is needed . The cycle threshold (Ct) needed to detect virus is inversely proportional to the patient\u2019s viral load. <span class=\"has-inline-color\" style=\"color: #4605be;\"><strong>Where test results do not correspond with the clinical presentation, a new specimen should be taken and retested using the same or different NAT technology.<\/strong><\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>WHO reminds IVD users that disease prevalence alters the predictive value of test results; as disease prevalence decreases, the risk of false positive increases. <span class=\"has-inline-color\" style=\"color: #4605be;\"><strong>This means that the probability that a person who has a positive result (SARS-CoV-2 detected) is truly infected with SARS-CoV-2 decreases as prevalence decreases, irrespective of the claimed specificity.<\/strong><\/span><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong><span class=\"has-inline-color\" style=\"color: #4605be;\">Most PCR assays are indicated as an aid for diagnosis, therefore, health care providers must consider any result in combination with timing of sampling, specimen type, assay specifics, clinical observations, patient history, confirmed status of any contacts, and epidemiological information.<\/span><\/strong>&#8220; (<span class=\"has-inline-color has-black-color\">Quelle: WHO Information Notice for IVD Users 2020\/05,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.who.int\/news\/item\/20-01-2021-who-information-notice-for-ivd-users-2020-05\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Nucleic acid testing (NAT) technologies that use polymerase chain reaction (PCR) for detection of SARS-CoV-2<\/a>, 20 January 2021<\/span> \/ (Anmerkung: PCR = NAT technology; Hervorhebungen durch den Autor))<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die WHO stellt also in ihrer Ver\u00f6ffentlichung fest:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Stimmt das Testergebnis nicht mit dem klinischen Bild \u00fcberein (z.B. fehlende Sympomatik), so soll eine Best\u00e4tigung dieses Testergebnisses durch eine Testwiederholung erfolgen. <em>(Anm.: Im Gegensatz zur WHO Forderung werden <em>die ermittelten Ct-Werte<\/em><\/em> <em>in Deutschland immer noch nicht fl\u00e4chendeckend mitgeteilt. Diese sind allerdings ein starkes Indiz f\u00fcr die vorliegende Virenlast und gleichzeitig ein wichtiges Indiz auf ein falsch positives Ergebnis ohne Infektion in Sinne des Infektionsschutzgesetzes. Zweittests bei positiven Erstergebnissen werden in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen (wie z.B. bei Fu\u00dfballvereinen) nicht durchgef\u00fchrt. Und selbst wenn &#8211; es ist in Deutschland zurzeit offiziell immer noch nicht m\u00f6glich, sich bei einem falsch-positiven PCR-Testergebnis mit einem negativen Zweittest frei zu testen. Eben diese M\u00f6glichkeit impliziert allerdings die WHO Ver\u00f6ffentlichung.)<\/em> <\/li><li>Im Klinischen Alltag werden PCR-Tests normalerweise zur diagnostischen Unterst\u00fctzung verwendet. D.h. man testet Personengruppen mit einer hohen Pr\u00e4valenz auf die entsprechende Krankheit. H\u00e4ufig erfolgt dies zur Absicherung einer bestehenden Diagnose und zum Ausschluss von Differentialdiagnosen. In diesem Umfeld ist die PCR ein herausragendes Werkzeug und die Testergebnisse k\u00f6nnen als sehr zuverl\u00e4ssig bezeichnet werden. Falsch-positive Ergebnisse bleiben dabei die Ausnahme. In Gegensatz dazu finden die laufenden Massentests bei Personengruppen statt, die nur eine sehr geringe Pr\u00e4valenz besitzen. In einem solchen Umfeld \u00e4ndert sich die Zuverl\u00e4ssigkeit der Testergebnisse dramatisch. Es steigt die Anzahl der falsch-positiven Ergebnisse im Verh\u00e4ltnis zu den tats\u00e4chlich positiven Ergebnissen sprunghaft an. Je h\u00e4ufiger man testet, desto st\u00e4rker wird dieser Effekt. Am Ende kann es sogar dazu kommen, dass die falschen die richtigen Ergebnisse deutlich \u00fcberwiegen. Darauf weist auch die WHO im zweiten Absatz hin und stellt damit direkt die nationale Teststrategie in Deutschland infrage. Diese zielt ja auf immer mehr und ausgedehntere Testungen an vermeintlich Gesunden ab. <\/li><li>Im dritten Abschnitt der Ver\u00f6ffentlichung zieht die WHO das Fazit, dass die PCR lediglich als diagnostische Unterst\u00fctzung dienen darf. Ein positives Testergebnis im &#8222;luftleeren Raum&#8220; kann laut WHO keine Aussage dar\u00fcber treffen, ob eine Infektion vorliegt oder nicht.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend das RKI weiterhin die WHO Richtlinien ignoriert und auch auf mehrfache R\u00fcckfragen durch den Journalisten Boris Reitschuster bei der Bundespressekonferrenz unwirsch reagiert und nur ausweichend antwortet, hat diese bereits Einzug in die \u00f6sterreichische Rechtsprechung gefunden. (Anm.: In \u00d6sterreich gilt bislang dieselbe eine Falldefinition, wie in Deutschland. Auch in \u00d6sterreich f\u00fchrte bisher ein positiver PCR-Test unabh\u00e4ngig von klinischer Symptomatik dazu als Infizierter zu gelten).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wiener Verwaltungsgericht schrieb dazu in seinem Urteil vom 21.03.2021 folgendes:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Laut einer Studie aus dem Jahr 2020 (Bullard, J., Dust, K., Funk, D., Strong, J. E., Alexander, D., Garnett, L., \u2026 &amp; Poliquin, G. (2020). Predicting infectious severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 from diagnostic samples. Clinical Infectious Diseases, 71(10), 2663-2666.) ist bei CT-Werten gr\u00f6\u00dfer als 24 kein vermehrungsf\u00e4higer Virus mehr nachweisbar und ein PCR Test nicht dazu<br>geeignet, die Infektiosit\u00e4t zu bestimmen.<\/em> &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em> Es erf\u00fcllt somit keiner der drei vom Gesundheitsminister definierten \u201ebest\u00e4tigten F\u00e4lle\u201c die Erfordernisse des Begriffs \u201eKranker\/Infizierter\u201c der WHO. Das alleinige Abstellen auf den PCR-Test [&#8230;] wird von der WHO abgelehnt. &#8230; <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sollte die Corona-Kommission die Falldefinition des Gesundheitsministers zugrunde gelegt haben, und nicht jene der WHO; <strong><span class=\"has-inline-color\" style=\"color: #4605be;\">so ist jegliche Feststellung der Zahlen f\u00fcr \u201eKranke\/Infizierte\u201c falsch&#8220;<\/span><\/strong> &#8220; (GZ: <a href=\"https:\/\/www.ris.bka.gv.at\/Dokumente\/Lvwg\/LVWGT_WI_20210324_VGW_103_048_3227_2021_00\/LVWGT_WI_20210324_VGW_103_048_3227_2021_00.pdf\">VGW-103\/048\/3227\/2021-2<\/a>). <\/em> Das \u00f6sterreichische Urteil ist rechtskr\u00e4ftig und eine Revision ist nicht m\u00f6glich. Alle getroffenen Ma\u00dfnahmen in stehen damit in \u00d6sterreich zur Disposition.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck nach Deutschland &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt also zwei Punkte, die die aktuelle Berechnung des Inzidenzwertes durch das RKI als fragw\u00fcrdig erscheinen lassen. Den nachgewiesenen, ausgepr\u00e4gten Meldeverzug und das fortlaufende ignorieren der bestehenden WHO Regeln. Daher habe ich mich dazu entschlossen, die t\u00e4glichen 7-Tage Inzidenzen mit den Originaldaten des RKI neu zu berechnen. Dabei sollen vier Szenarien kalkuliert werden:<\/p>\n\n\n\n<ol><li><strong>RKI-Modell:<\/strong> Berechnung anhand der aktuellen RKI-Vorgaben. (Meldedatum + symptomatische und asymptomatische F\u00e4lle gleicherma\u00dfen)<\/li><li><strong>WHO-konservativ:<\/strong> Die Berechnung wie beim RKI-Modell anhand des Meldedatums allerdings entsprechend den WHO Vorgaben werden ohne Symptomlose nicht ber\u00fccksichtigt.<\/li><li><strong>RKI ohne Meldungsverzerrung:<\/strong> Hier werden sowohl symptomatische wie auch asymptomatische F\u00e4lle innerhalb des 7-Tage Zeitfensters gez\u00e4hlt, aber des Meldedatums wird das Referenzdatum also der Erkrankungsbeginn ausgewertet.<\/li><li><strong>WHO ohne Meldungsverzerrung:<\/strong> Dieses Szenario gen\u00fcgt den Vorgaben der WHO und der Vorgabe nur &#8222;neue&#8220; F\u00e4lle zu z\u00e4hlen am ehesten. Es nur symptomatische F\u00e4lle mit Erkrankungsbeginn innerhalb des 7-Tage Zeitfensters gewertet.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Die so ermittelten 7-Tages-Inzidenzen f\u00fcr alle Bundesl\u00e4nder sind gleicherma\u00dfen ern\u00fcchternd wie erschreckend:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/covid.joachimdengler.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Covid-Inzidenzen.png\" alt=\"\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Datenquelle: <a href=\"https:\/\/npgeo-corona-npgeo-de.hub.arcgis.com\/datasets\/dd4580c810204019a7b8eb3e0b329dd6_0\">https:\/\/npgeo-corona-npgeo-de.hub.arcgis.com\/datasets\/dd4580c810204019a7b8eb3e0b329dd6_0<\/a><br>Quellenvermerk: Robert Koch-Institut (RKI), dl-de\/by-2-0<\/p>\n\n\n\n<p>Diskutieren wir gerade in Deutschland einen erneuten Lockdown, weil wir die 100&#8217;er Grenze vielerorts \u00fcberschritten haben, so zeichnet sich bei realistischer Berechnung der 7-Tage Inzidenzen ein g\u00e4nzlich anderes Bild ab.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00fcrden wir den WHO Vorgaben folgen ohne uns \u00fcberhaupt um das Problem der Meldeverzerrung zu k\u00fcmmern, der Lockdown w\u00e4re vom Tisch. In keinem Bundesland l\u00e4gen die Inzidenzen \u00fcber den kritischen 100 und vielerorts sogar im Bereich der 35. Wir w\u00fcrden aktuell \u00fcber \u00d6ffnungsperspektiven diskutieren nicht \u00fcber Schlie\u00dfungen. <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/834084\/2b00aefce62c181e2e1e5ecd3d93209b\/WD-9-022-21-pdf-data.pdf\">Dazu kommt, dass laut wissenschaftlichem Dienst des Bundestages die verwendeten Schwellwerte 35, 50 oder 100 nicht wissenschaftlich begr\u00fcndet sind, sondern aus ad-hoc \u00dcberlegungen von Politikern stammen.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Und w\u00fcrden wir gar neben den WHO Vorgaben sogar ber\u00fccksichtigen, dass Altf\u00e4lle nicht zum das aktuellen Infektionsgeschehen beitragen, die Welt w\u00e4re schlicht eine andere. Die neue Realit\u00e4t w\u00e4re vielleicht wieder die alte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UC6lTPQhCVf3yeHM8yNrcRTg\">Eine regelm\u00e4\u00dfige Diskussion der jeweils neuesten RKI-Zahlen durch Herrn P\u00f6tschke von Querdenken 841 (Ingolstadt) mit \u00e4hnlichen Schlu\u00dffolgerungen ist in seinem Videokanal zu finden<\/a>, in der Regel gibt es t\u00e4glich ein neues Video. Wir bedanken uns auch bei Herrn P\u00f6tschke f\u00fcr die freundliche \u00dcberlassung von historischen RKI Datens\u00e4tzen, die f\u00fcr Validierung der Ergebnisse hilfreich sind.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob wir wollen oder nicht, seit geraumer Zeit werden wir t\u00e4glich aufs neue mit den aktuellen 7-Tage Inzidenzwerten konfrontiert. 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